Forschungsprojekte

Neben dem Sammeln, Bewahren und Vermitteln gehört auch das Forschen zu den Kernaufgaben eines Museums. Ausgehend von der regionalen Entwicklung erforscht das Touriseum die Kulturgeschichte des Tourismus als globales Phänomen aus der Sicht der Reisenden und Bereisten.

Hinter den Kulissen – Lebens- und Arbeitswelt in den Hotels des südlichen Tirols/Südtirols zwischen 1880 und 1939

Das Feld der „Arbeitswelt Hotel“ ist in der Forschung noch wenig erschlossen. In seinem aktuellen Forschungsprojekt, das über den Forschungsfonds des Betriebes Landesmuseen finanziert und noch bis März 2020 laufen wird, hat es dich das Touriseum daher zum Ziel gemacht, einen Blick hinter die Kulissen der Hotels zu werfen, in jene Bereiche der Arbeit, die den Gäste und anderen Außenstehenden meist unzugänglich bleiben. In diesem Sinne sollen die Lebensverhältnisse und den Arbeitsalltag von Hotelangestellten im heutigen Südtirol in der Zeit zwischen dem ersten großen Aufschwung des Tiroler Hotelwesens um 1880 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1939 zu untersucht werden. Um die damit verknüpften Forschungsfragen zu Berufsklassifikationen, sozialen Beziehungen, Wohn- und Dienstverhältnissen, Arbeitszeiten, beruflichen Laufbahnen, arbeitsrechtlichen Bestimmungen sowie zur Ausbildung und Herkunft von Hotelangestellten beantworten zu können, werden einzelne Bestände sowohl der Sammlung des Touriseums, als auch jener weiterer Archive in Südtirol, Tirol und im Trentino sowie Privatsammlungen gesichtet und analysiert. Gleichzeitig werden auch laufend Objekte und Unterlagen, die den Lebensalltag von Hotelangestellten in Südtirol dokumentieren, im Touriseum gesammelt und inventarisiert. (Hinweise zu Dokumenten, Fotografien und anderen Objekten in Privatbesitz, die von Hotelbediensteten in Südtirol erzählen, nimmt die Projektleitung jederzeit gerne entgegen.)

Im Rahmen des Forschungsprojektes wurde im Oktober 2018 im Touriseum eine internationale Tagung zum Thema Hotelpersonal abgehalten, bei der sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen  in einem weiten historischen und geografischen Bogen - vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart, von Tirol (Süd wie Nord), über Italien, Österreich, Deutschland und die Schweiz bis zum Balkan, zur DDR und zur Sowjetunion - mit dem Hotel als Lebens- und Arbeitsraum auseinandersetzten. Die Beiträge der Tagung werden im Spätsommer 2019 in der Studienreihe des Touriseums „Tourism & Museum“ erscheinen.

Ein großer Teil der Forschungsergebnisse des Projektes werden in der kommenden Sonderausstellung des Touriseums gezeigt, die sich um das Thema Saison drehen wird, die den Lebensalltag von Hotelbedeinsteten maßgeblich beeinflusst.

Wäscherin des Grand Hotel Emma

Zeitzeuginnen- und Zeitzeugenarchiv

Im Jahr 2013 hat das Touriseum damit begonnen, ein Zeitzeuginnen- und Zeitzeugenarchiv aufzubauen. Darin werden fortlaufend tourismusrelevante lebensgeschichtliche Erinnerungen gesammelt und gesichert. In der Saison 2016 hat das Touriseum Ausschnitte aus den Erinnerungen einzelner Generationen an ihren Alltag in familiengeführten Tourismusbetrieben in Südtirol in der Audio-Lounge „HOTEL.GENERATIONEN.ERZÄHLEN“ zugänglich gemacht. Eine umfangreiche Analyse der Interviews ist unter dem Titel „Das Große Ganze. Intergenerationalität in familiengeführten Tourismusbetrieben in Südtirol“ als sechster Band der Studienreihe des Touriseums „Tourism & Museum“ erschienen.